Public Relations (PR) ist nichts anderes als Propaganda der Politik

Public Relations, Öffentlichkeitsarbeit, strategische Kommunikation, Einordnung, Haltung, Verantwortung: Die moderne Politik liebt die gepflegten Begriffe. Sie braucht sie, weil sie das Rohmaterial der Macht veredeln. Denn was früher ohne Scheu Propaganda hieß, tritt heute meist in eleganterer Verpackung auf. Der Unterschied liegt oft weniger in der Methode als im Prestige des Absenders. Was der Gegner verbreitet, gilt als Manipulation. Was die eigene Seite aussendet, heißt Aufklärung, Information oder eben PR.

Natürlich gibt es auf dem Papier Unterschiede. Public Relations wird gemeinhin als professionelle Kommunikation von Unternehmen, Organisationen, Behörden oder Parteien gegenüber der Öffentlichkeit definiert. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt PR als zielgerichtete Kommunikation zur Vermittlung von Informationen, zum Aufbau von Vertrauen und zur Pflege von Reputation.

Staatliche Öffentlichkeitsarbeit wird dort sogar ausdrücklich als Information und Aufklärung der Bevölkerung durch die Regierung beschrieben. Das klingt harmlos, vernünftig, beinahe bürgerlich. Doch gerade diese Harmlosigkeit ist verdächtig. Denn sobald Kommunikation nicht bloß informiert, sondern Stimmungen formt, Wahrnehmungen lenkt und Deutungsrahmen setzt, betritt sie ein Feld, das von Propaganda nicht so weit entfernt ist, wie es die saubere Sprache glauben machen will.

PR oder Öffentlichkeitsarbeit ist nur ein Euphemismus für das, was sie wirklich ist, nämlich eine akzeptablere Wortwahl für einen Begriff, der sich inhaltlich zum Negativen gewandelt hat. Propaganda ist ebenso negativ konnotiert wie „Weib“ im Vergleich zu „Frau“ oder „Neger“ zu „Schwarzem“, es sind Begriffe, denen eine Bedeutung zugewiesen wird und die als nicht mehr zeitgemäß erscheint. Auf der inhaltlichen Ebene hat sich jedoch nichts verändert, Weib und Frau bezeichnen beide das Gegenüber zum Mann, oder wie man im linken Spektrum es gerne bezeichnet, die „gebärende Person“.

Und dennoch der Kern der Sache hat sich nicht verändert, keine Sprachgesetze oder Sprachpolizisten, keine Hetzkampagne dieser Welt verändert die Rezeptur des Zigeunerschnitzels, lediglich die Bezeichnung auf der Speisekarte. Noch hat der große Bruder es nicht geschafft unsere Vergangenheit zu tilgen und durch seine Konstruktion einer falschen Historie zu ersetzen. Aber in Ansätzen, sehen wir den Versuch, den Versuch die totalitäre Herrschaft über das Meinungs- und in vielen Fällen das Weltbild zu erlangen.

Der Begriff der „Propaganda“ dient selten nur der Beschreibung, sondern fast immer der Delegitimierung

Die  Massendemokratie ist ohne solche Techniken gar nicht denkbar. Einer der Gründerväter der professionellen PR, Edward Bernays, hat das früh und offen ausgesprochen. Sein berühmtes Buch trägt nicht zufällig den Titel Propaganda. Bernays verstand die gezielte Lenkung öffentlicher Meinung nicht als Missbrauch, sondern als normales Werkzeug moderner Gesellschaften.

Das ist der eigentliche Skandal: Nicht dass Einfluss genommen wird, sondern dass man so tut, als geschehe es auf der eigenen Seite gar nicht. Die einen heißen Propagandisten, die anderen Kommunikationsberater. Die einen manipulieren, die anderen „holen die Menschen ab“. Die Technik ist oft erstaunlich ähnlich; nur die moralische Etikettierung wechselt.

Der Begriff der „Propaganda“ dient selten nur der Beschreibung, sondern fast immer der Delegitimierung.

Genau deshalb ist der Propagandavorwurf heute so beliebt. Er dient selten nur der Beschreibung, sondern fast immer der Delegitimierung. Wer den Gegner zum Propagandisten erklärt, muss sich mit dessen Argumenten nicht mehr ernsthaft auseinandersetzen. Dann zählt nicht mehr, ob eine Aussage zutrifft, sondern nur noch, ob sie dem falschen Lager nützt. Die Botschaft wird nicht geprüft, sondern der Bote moralisch markiert.

Und so verwandelt sich der öffentliche Diskurs schleichend in ein Minenfeld: Nicht die Frage „Ist es wahr?“ steht im Zentrum, sondern „Wem nützt es, wenn es wahr ist?“

Besonders deutlich wird das dort, wo staatliche Macht ihre eigene Kommunikation als vernünftige Mitte inszeniert. Die Geschichte der westlichen Demokratien ist voll von Beispielen dafür. Der Irakkrieg ist eines der offenkundigsten.

Die Behauptung, Saddam Hussein verfüge über Massenvernichtungswaffen und stelle eine akute Gefahr dar, wurde politisch und medial mit großer Wucht verbreitet. Spätere Untersuchungen, darunter die britische Iraq Inquiry, kamen zu dem Ergebnis, dass die Grundlage für den Krieg in zentralen Punkten mangelhaft war und die Faktenlage weit überdehnt präsentiert wurde.

Trotzdem sprach man im Mainstream selten von Propaganda der Regierenden, sondern eher von Fehleinschätzungen, Kommunikationsfehlern oder politischem Irrtum. Auch darin zeigt sich die Asymmetrie: Wenn Staaten und ihre medialen Verstärker die öffentliche Meinung in eine bestimmte Richtung treiben, heißt das Verantwortung. Wenn abweichende Stimmen dagegenhalten, heißt es schnell Desinformation.

In der Wirtschaft, im Privatleben_ Wo endet PR, wo beginnt Propaganda

In der Wirtschaft, im Privatleben: Wo endet PR, wo beginnt Propaganda?

Der Unterschied zwischen PR und Propaganda zeigt sich besonders deutlich dort, wo man ihn angeblich gar nicht mehr sehen will: in der Welt der Konsumgüter. Niemand würde Coca-Cola, McDonald’s oder die großen Zuckerproduzenten im alltäglichen Sprachgebrauch als Propagandisten bezeichnen. Man spricht von Markenführung, Marketing, Imagekampagnen, Kundenbindung oder eben Öffentlichkeitsarbeit.

Doch worin besteht der materielle Unterschied? Wenn Produkte beworben werden, von denen Politik, Medizin und Ernährungsforschung zugleich behaupten, sie machten Menschen dicker, kränker, abhängiger und auf Dauer unfreier, warum soll die gezielte emotionale Bewerbung dieser Produkte dann bloß harmlose PR sein? Warum ist es bei Softdrinks, Fastfood und Zucker plötzlich unproblematische Kommunikationskunst, Bedürfnisse zu formen, Lebensstile zu idealisieren und schädliche Gewohnheiten mit Freiheit, Spaß und Individualität aufzuladen?

Die Antwort ist einfach: Weil Propaganda fast nie nach ihrer Methode beurteilt wird, sondern nach dem gesellschaftlichen Status ihres Absenders. Der Zigarettenhersteller verkauft nicht Nikotin, sondern Freiheit, Männlichkeit und Unabhängigkeit. Der Fastfood-Konzern verkauft nicht nur Kalorien, sondern Jugend, Gemeinschaft und Lebensfreude.

Der Softdrink-Hersteller verkauft nicht bloß Zuckerwasser, sondern Glück, Coolness und Zugehörigkeit. Alles das sind klassische Techniken der Beeinflussung. Es werden nicht nur Produkte verkauft, sondern Gefühle, Haltungen und Weltbilder. Würde ein politischer Akteur dieselben Techniken in ähnlich massiver Form einsetzen, wäre das Urteil schnell gesprochen: Manipulation, Massenbeeinflussung, Propaganda. Im Fall wirtschaftlich akzeptierter Akteure aber nennt man es professionelles Marketing.

Gerade daran wird sichtbar, wie leer die moralische Trennlinie oft ist. Nicht die Technik entscheidet über das Etikett, sondern Sympathie, Gewöhnung und gesellschaftliche Erlaubnis. Was uns vertraut ist, nennen wir PR. Was uns bedroht oder politisch missfällt, nennen wir Propaganda. Die Methode bleibt dieselbe: Aufmerksamkeit binden, Emotionen erzeugen, Verhalten lenken, Kritik entschärfen und die eigene Botschaft in eine Form bringen, die nicht nach Interesse aussieht, sondern nach Normalität.

Das Muster ist alt und unerquicklich. Propaganda ist fast immer das, was der Feind betreibt.

Die eigene Seite dagegen informiert, erklärt, ordnet ein, warnt oder schützt. Dieselbe Mechanik lässt sich bei unzähligen Gegenwartsthemen beobachten. In Krisenzeiten verengt sich der Debattenraum regelmäßig. Wer Zweifel anmeldet, stört. Wer Zahlen nennt, die nicht zum gewünschten Narrativ passen, polarisiert. Wer unbequeme Tatsachen ausspricht, wird rasch verdächtig gemacht. Gerade in Deutschland ist diese Form der moralischen Abriegelung besonders ausgeprägt, weil sich ein erheblicher Teil des politischen und medialen Betriebs nicht nur als meinungsbildend, sondern als erzieherisch zuständig empfindet.

Dabei ist die zentrale Frage eigentlich einfach: Nach welchen Kriterien unterscheiden wir legitime Öffentlichkeitsarbeit von Propaganda? Sicher nicht allein danach, ob uns das kommunizierte Ziel sympathisch ist. Denn dann wäre der Begriff wertlos. Kommunikation wird nicht dadurch redlich, dass sie aus den richtigen Institutionen kommt oder von Menschen mit dem erwünschten Gesinnungssiegel vorgetragen wird. Entscheidend müsste vielmehr sein, ob offen informiert oder gezielt verzerrt wird, ob Kritik zugelassen oder moralisch erstickt wird, ob Fakten sauber eingeordnet oder selektiv instrumentalisiert werden.

Gerade an diesem Punkt wird die Lage in Deutschland unerquicklich. Denn in vielen politischen Debatten ist längst nicht mehr die Unwahrheit das Hauptproblem, sondern die falsche Wahrheit. Zahlen dürfen existieren, aber bitte nicht in falschem Zusammenhang. Beobachtungen dürfen gemacht werden, aber nicht von den falschen Personen. Erfahrungen dürfen ausgesprochen werden, aber nicht mit den falschen politischen Konsequenzen. So entsteht ein Klima, in dem nicht die Lüge belohnt wird, sondern die ritualisierte Unvollständigkeit. Man verschweigt, relativiert, framt um, markiert abweichende Stimmen als „problematisch“ und versieht die eigene Deutung mit dem Gütesiegel demokratischer Vernunft.

Ein besonders sichtbares Beispiel ist die Kriminalitätsdebatte. Wer nüchtern darauf hinweist, dass nichtdeutsche Tatverdächtige in der Polizeilichen Kriminalstatistik über ihrem Bevölkerungsanteil liegen, wird schnell unter Generalverdacht gestellt. Dabei ist diese Feststellung zunächst einmal nichts anderes als eine empirische Beschreibung.

Das BKA weist für 2024 913.196 nichtdeutsche Tatverdächtige aus; das entspricht 41,8 Prozent aller registrierten Tatverdächtigen.

Zugleich lag der Anteil ausländischer Staatsangehöriger an der Bevölkerung Ende 2024 bei deutlich unter diesem Wert. Natürlich muss man methodisch sauber hinzufügen, dass die PKS eine Tatverdächtigen-, keine Verurteiltenstatistik ist und dass Faktoren wie Alter, Geschlecht, soziale Lage oder bestimmte Deliktsgruppen berücksichtigt werden müssen.

Aber all das ändert nichts daran, dass die Überrepräsentation als solche real ist. Wer schon ihre Benennung zur moralischen Grenzüberschreitung erklärt, betreibt selbst nichts anderes als diskursive Machtpolitik.

Das Muster ist alt und unerquicklich. Propaganda ist fast immer das, was der Feind betreibt

Genau hier liegt der Punkt:

Nicht jede unangenehme Wahrheit ist Propaganda,

nur weil sie von den politischen Falschen ausgesprochen wird. Und nicht jede beruhigende Erzählung ist Aufklärung, nur weil sie von Regierungssprechern, Kommentatoren oder öffentlich finanzierten Apparaten kommt. Der Propagandavorwurf ist in der deutschen Debatte zu einer Art Totschlagetikett geworden. Er soll nicht nur falsche Behauptungen treffen, sondern oft schon die soziale Existenz desjenigen beschädigen, der gegen das erwünschte Deutungsmuster verstößt.

Das gilt auch kulturell. Wer heute sagt, dass er die eigene nationale Kultur bewahren will, dass er Integrationsgrenzen sieht, dass Massenzuwanderung Spannungen erzeugt oder dass sich das Sicherheitsgefühl in vielen Städten verändert hat, wird nicht selten behandelt, als habe er bereits den demokratischen Konsens verlassen. Dabei sind solche Beobachtungen weder automatisch extrem noch irrational.

Sie werden es erst dann, wenn man sie pauschalisiert oder ideologisch verabsolutiert. Doch genau diese Differenzierung geht im moralisch überhitzten Raum häufig verloren. Man will nicht prüfen, ob eine Aussage trägt. Man will klären, ob ihr Sprecher noch zum Kreis der Anständigen gezählt werden darf.

Es ist bezeichnend, dass selbst Politiker aus dem linken oder grünen Lager in Schwierigkeiten geraten, wenn sie zu offen über solche Realitäten sprechen. Als Cem Özdemir über das Unsicherheitsgefühl seiner Tochter und über aufdringliches Verhalten bestimmter Männergruppen sprach, zeigte sich erneut, wie schnell in Deutschland die Abwehrmechanik anspringt:

Nicht die beschriebene Realität steht im Zentrum, sondern der Verdacht, hier könnte ein unerlaubtes Narrativ bedient werden. Doch eine Demokratie, die das Benennen von Erfahrungen schon als politischen Regelverstoß behandelt, hat ihr Verhältnis zur Wirklichkeit beschädigt.

Mein Fazit: PR ist Propaganda, der man den Makel der Anrüchigkeit genommen hat.

Der eigentliche Unterschied zwischen PR und Propaganda ist deshalb in der politischen Praxis oft kein substanzieller, sondern ein sozialer. Sie tritt mit besseren Manieren auf, zitiert Expertisen, arbeitet mit Kommunikationshandbüchern und moralischen Schutzbegriffen. Aber auch sie will beeinflussen, lenken, priorisieren, verengen, aufwerten und entwerten. Sie arbeitet nicht mit der offenen Parole, sondern mit dem akzeptierten Deutungsrahmen. Nicht mit dem Holzhammer, sondern mit dem Filter.

Das macht sie nicht automatisch illegitim. Jede organisierte Gesellschaft kommuniziert, wirbt für sich, verteidigt sich sprachlich, setzt Akzente. Problematisch wird es dort, wo diese Praxis asymmetrisch moralisiert wird. Wo also die eigene Einflussnahme als neutral und notwendig gilt, während die Gegenrede des Gegners schon als Hetze, Hass oder Desinformation gilt. Von da an wird Öffentlichkeit nicht mehr offen ausgetragen, sondern verwaltet. Dann herrscht nicht mehr der Streit um Wahrheit, sondern der Kampf um Erlaubnis.

Vielleicht ist das der eigentliche Kern der Sache. Die moderne politische Öffentlichkeit wird nicht nur von Interessen gesteuert, sondern von Sprachregelungen. Manche Wörter adeln, andere vernichten. Öffentlichkeitsarbeit klingt verantwortungsvoll. Propaganda klingt schmutzig. Doch Sprache ersetzt keine Analyse. Und wer genauer hinsieht, erkennt: Zwischen beiden liegt oft nicht die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge, sondern nur die Grenze zwischen anerkanntem und geächtetem Einfluss.

Deshalb sollte man skeptisch werden, sobald politische Akteure sich selbst als bloße Aufklärer inszenieren und den Gegner als reinen Manipulator denunzieren. Die Wahrheit ist meist prosaischer und unangenehmer. Fast alle Seiten versuchen, Öffentlichkeit in ihrem Sinn zu formen. Die entscheidende Frage ist nicht, wer kommuniziert, sondern wie. Wer offenlegt, wer verzerrt, wer zulässt, wer ächtet, wer informiert und wer die Wirklichkeit moralisch weichzeichnet.

PR ist deshalb nicht immer Propaganda. Aber in der politischen Praxis ist sie ihr oft näher, als die herrschenden Sprachregeln zugeben wollen. Gerade deshalb lohnt es sich, hinter die gepflegten Begriffe zu schauen. Denn Demokratie lebt nicht davon, dass Macht gut klingt. Sie lebt davon, dass man ihr auch dann misstraut, wenn sie geschniegelt auftritt.